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Ida Boy-Ed
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Ida Boy-Ed, geboren als Ida Cornelia Ernestina Ed (* 17. April 1852 in Bergedorf; † 13. Mai 1928 in Lübeck-Travemünde), war eine deutsche Schriftstellerin und Salonnière.

Contents

Leben

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Leben

Ida Ed wurde als Tochter des Reichstagsabgeordneten, Büchereibesitzers, Journalisten und Herausgebers der Eisenbahn-Zeitung (Vorläufer der Bergedorfer Zeitung) Christoph Marquard Edcite-ref-1[1] und dessen Frau Friederike Amalie Pauline, geb. Seltzam, geboren. Im Alter von 17 Jahren heiratete sie 1870 den Kaufmann Karl Johann Boy (1845–1900). Sie wurde Mutter dreier Söhne (Karl (1872–1930), Walther (1874–1914) und Emil (1877–1954)) sowie der Tochter Rosa (oder Rose; 1871–1944), die von 1889 bis 1893 mit dem Sänger Franz Henri von Dülong verheiratet war.

Nachdem Ida ihren Mann verlassen hatte, zog sie 1878 mit ihrem ältesten Sohn Karl nach Berlin. Dort arbeitete sie als Journalistin und schrieb Romane. Zudem unterhielt sie eine rege Korrespondenz mit Künstlern der Zeit. 1880 wurde sie zur Rückkehr zu ihrem Ehemann in Lübeck genötigt, der nicht in die Scheidung einwilligen wollte.

Aufgrund der ehelichen Trennung von ihrem Mann galt sie in Lübeck als „nicht gesellschaftsfähig“. Durch ihre Schriftstellerei gelang es ihr aber allmählich, gesellschaftliche Anerkennung zurückzuerlangen.cite-ref-jjf-2-0[2]

Ida Boy-Ed verfasste über 70 Romane und Erzählbände und beeinflusste mit ihrem Lübecker Salon das kulturelle Leben von Lübeck nachhaltig. Sie war 1901 nach Erscheinen der Buddenbrooks eine Förderin des jungen Thomas Mann. Genauso engagierte sie sich, gemeinsam mit ihrer Freundin Lilly Dieckmann für die Dirigenten Wilhelm Furtwängler und Hermann Abendroth in ihrer Lübecker Zeit.

Der Senat der Hansestadt Lübeck verlieh ihr an ihrem 60. Geburtstag, dem 17. April 1912, als Dank für ihre Verdienste um die Stadt ein dauerhaftes Wohnrecht in der Wohnung im Zöllnerhaus neben dem Burgtor, in der sie bis zu ihrem Lebensende wohnte. Wenn Thomas Mann Lübeck besuchte, residierte er in der Wohnung seiner Förderin.

In Hamburg-Bergedorf und der Lübecker Altstadt (Ida-Boy-Ed-Garten) sind Straßen nach ihr benannt. Ihr Grab befindet sich auf dem Lübecker Burgtorfriedhof.

Erster Weltkrieg

„[…] Viele, viele Frauen habe ich gesprochen: zahme, die ich bisher für beschränkt hielt, und sie waren klar und stark im Haß; zarte, die nur für mich beschäftigt waren, und der Haß ließ sie nun sich selbst vergessen; kinderlose, die längst ergeben waren, und die nun klagten: Hätte ich doch einen Sohn, uns an England zu rächen; Mütter, die kein Glück in der Welt haben als das durch ihre Söhne: sie gaben sie freudig, und sie konnten nicht mehr freudig sagen: Für das Vaterland oder aus Haß gegen England.“


Ida Boy-Ed, am Tage der englischen Kriegserklärung

In der Marneschlacht wurde ihr Sohn Walther Boy-Ed, Hauptmann im 2. Garde-Feldartillerie-Regiment, in der Nähe Nauroys schwer verwundet und erlag am 23. September 1914 im Lazarett nahe Reims seiner Verwundung.cite-ref-4[4] Ihr zweiter Sohn, Karl Boy-Ed, war Marineoffizier und seit 1906 im Nachrichtenbüro des Reichsmarineamtes tätig. Während seines Einsatzes als Marineattaché in den USA ab 1912 war er unter Abdeckung seines diplomatischen Status nachrichtendienstlich tätig und wurde deshalb 1915 ausgewiesen. Bis zum Ende des Krieges war er danach im Marinenachrichtendienst und dessen Pressestelle im Reichsmarineamt tätig. Der dritte Sohn, Emil Boy-Ed, diente während des Krieges als Kapitänleutnant der Reserve auf verschiedenen Torpedobooten und ab 1918 als Chef einer Geleitflottille in der Nordsee.

In der Weltbühne vom 24. November 1925 schrieb Hellmut von Gerlach in seinem Beitrag Erinnerungen an eine große Zeit: „Und die berühmte Schriftstellerin Boy-Ed erklärte in der Zeitschrift der ‚Deutschen Vereinigung für Frauenstimmrecht‘ nicht nur, daß sie gegen England ‚jähen entsetzlichen Haß‘ empfinde, sie fordert auch die Frauen allgemein zu diesem ‚heiligen Hasse‘ auf, ja sie ermahnte die deutschen Seeleute, ‚hart zu werden auch gegen Frauen und Kinder, wenn sie englischen Männern gehören‘.“

Werk (Auswahl)

Ihr Roman „Ein königlicher Kaufmann“ mit der fiktiven Figur Jacob Bording gehörte zu ihren Lieblingen. Sie hatte ihn als Lichtgestalt des Wirtschaftslebens beschrieben. Hierbei orientierte sie sich an führenden Persönlichkeiten der realhistorischen Lübecker Handelswelt wie Friedrich Ewers, Rudolf und Heinrich Thiel und insbesondere Emil Possehl. Auf biographischer Ebene lassen sich viele Parallelen zwischen ihrer Dichtung und der Realität ziehen. Mit dem Roman bemühte sie sich um eine Ehrenrettung des in seiner Vaterstadt umstrittenen und missverstandenen Possehl, den sie auf diese Weise würdigt.cite-ref-5[5]cite-ref-jjf-2-1[2]

Ein Tropfen. Novelle. Hamburg 1882
Getrübtes Glück. Novelle. 1883
Männer der Zeit. Roman. 3 Bände. 1884
Seine Schuld. Roman. 2 Bände. 1885
Dornenkronen. Roman. Rudolf Waldern, Berlin 1886
Die Unversuchten. Roman. Reißner, Leipzig 1886
Abgründe des Lebens. Novellen. 1887
Masken. Roman. 1887 [Neue Bearbeitung u. d. Titel Die Glücklichen, 1916]
Ich. Roman. ?, Stuttgart/Leipzig/Berlin 1888
Fanny Förster. Roman. ?, Stuttgart 1889
Eine Lüge? Roman. 1889
Nicht im Geleise. Roman. Buchausgabe: 2 Bd. in einem Band. Reißner, Leipzig 1890; Serielle Ausgabe: Nicht im Geleise. In: Die Gartenlaube. Heft 14–29, 1889 (Volltext [Wikisource]).
Aus Tantalus’ Geschlecht. Roman. 2 Bände. 1891
Malergeschichten. Psychologische Studien. 1892
Lea und Rahel. Roman. 1892; Serielle Ausgabe: Lea und Rahel. In: Die Gartenlaube. Heft 17–29, 1891 (Volltext [Wikisource]).
Empor! Roman. ?, Berlin 1892
Ein Kind. Novelle. Reißner, Leipzig 1892
Zuletzt gelacht und andere Noveletten. 1893
Sturm. Novellen. ?, Breslau 1894
Sieben Schwerter. Roman. 1894
Die Schwester. Roman. 1894
Werde zum Weib. Roman in 2 Bänden. Carl Reißner, Dresden/Leipzig 1894
Novellen. 1894
X. Roman. 1896
Die Lampe der Psyche. Roman. 1896
Nichts. Roman. 1897
Eine reine Seele. Roman. 1897
Ein kritischer Moment, Eine Kreuzträgerin. Novellen. 1897
Die Sünderin. Roman. 1898
Die Flucht. Roman. 1898
Die Schuldnerin. Roman. 1899
Zwei Männer. Roman. 1899
Nur ein Mensch. Roman. 1900
Um Helena. Roman. 1901
Aus einer Wiege. Roman aus dem hanseatischen Familienleben. 1901
Die säende Hand. Roman, Cotta, Stuttgart 1902
Das ABC des Lebens. Roman, Velhagen & Klasing, Bielefeld/Leipzig 1903
Die große Stimme. Novellen. 1903
Heimkehrfieber. Roman aus dem Marineoffiziersleben. 2 Bd., J. Engelhorn, Stuttgart 1904
Die Ketten. Roman. Velhagen & Klasing, Bielefeld/Leipzig 1904
Der Festungsgarten. Roman. Velhagen & Klasing, Bielefeld/Leipzig 1905
Eine Wohltat. Roman. 1906
Um ein Weib. Roman. 1906
Die holde Törin Roman in 2 Bänden. 1907
Fast ein Adler. Roman. 1907
Ein Echo. Roman in 2 Bd. J. Engelhorn, Stuttgart 1908
Geschichten aus der Hansastadt. Franz Moser Nachf., Leipzig/Berlin [1909]
Nichts über mich!. Roman, Engelhorn, Stuttgart 1910
Ein königlicher Kaufmann. Hanseatischer Roman. Cotta, Stuttgart/Berlin 1910
Hardy von Arnbergs Leidensgang. Roman in 2 Bd., J. Engelhorn, Stuttgart 1911
Ein Augenblick im Paradies. Roman. Ullstein, Berlin 1912
Charlotte von Kalb. Eine psychologische Studie. Mit 8 Abb., Eugen Diederichs, Jena 1912
Eine Frau wie Du! Roman. Ullstein, Berlin 1913
Stille Helden. Roman. Cotta, Stuttgart/Berlin 1914
Des Vaterlandes Kochtopf. Scherl, Berlin [1914]
Vor der Ehe. Roman. Ullstein, Berlin/Wien 1915
Das Martyrium der Charlotte von Stein. Versuch ihrer Rechtfertigung. Cotta, Stuttgart/Berlin 1916
Die Opferschale. Roman. August Scherl, Berlin 1916
Nur wer die Sehnsucht kennt.... Roman. Cotta, Stuttgart/Berlin 1916
Erschlossene Pforten. Roman. Ullstein, Berlin/Wien 1917
Um ein Weib. Roman. Paul Franke, Berlin, um 1920
Aus Tantalus Geschlecht. Roman. Philipp Reclam jun., Leipzig, um 1920
Glanz. Roman. August Scherl, Berlin 1920
Germaine von Stael. Ein Buch anläßlich ihrer..., Cotta, Stuttgart/Berlin 1921
Brosamen. Novellen. Deutsche Buchwerkstätten, Dresden 1922
Fast ein Adler. Roman. Reißner, Leipzig 1922
Annas Ehe. Roman. Engelhorn, Stuttgart 1923
Das Eine. Roman. August Scherl, Berlin 1924
Die Flucht. Roman. Paul Franke, Berlin ca. 1925
Gestern und morgen. Roman. August Scherl, Berlin 1926
Aus alten und neuen Tagen. Novellen. Cotta, Stuttgart 1926
Mein ist die Rache. Geschichte aus der Hansestadt. 1931

Literatur

Ernst Alker: Boy-Ed, Ida Cornelia Ernestine. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 495 (deutsche-biographie.de).
• Elsa Dreyer: Unvergessene Frauen (…) Ida Boy-Ed. In: Lichtwark Nr. 9, August 1949, Hrsg.: Lichtwark-Ausschuß, Bergedorf. Siehe jetzt: Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf. ISSN 1862-3549
Thomas Mann: Briefe an Otto Grautoff (1894–1901) und Ida Boy-Ed (1903–1928). Hrsg.: Peter de Mendelssohn. Fischer, Frankfurt am Main 1975.
• Cornelia Saxe: Ida Boy-Ed. In: Britta Jürgs (Hrsg.): Denn da ist nichts mehr, wie es die Natur gewollt. Portraits von Künstlerinnen und Schriftstellerinnen um 1900. AvivA Verlag, Berlin, 2001, ISBN 3-932338-13-8, S. 193–215.
• Gabriele Wagner-Zereini: Die Frau am Fenster. Zur Entwicklung einer weiblichen Schreibweise am Beispiel der Lübecker Schriftstellerin Ida Boy-Ed (1852–1928). Dissertation Univ. Frankfurt am Main 1999.
Boy-Ed, Ida, in: Gudrun Wedel: Autobiographien von Frauen : ein Lexikon. Köln : Böhlau, 2010, S. 114ff.

Weblinks

Wikisource: Ida Boy-Ed

– Quellen und Volltexte

Commons

: Ida Boy-Ed

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

• Literatur von und über Ida Boy-Ed im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
• Zeitungsartikel über Ida Boy-Ed in den Historischen Pressearchiven der ZBW
• Werke von Ida Boy-Ed bei Zeno.org.
• Werke von Ida Boy-Ed im Projekt Gutenberg-DE
• Kurzbiografie und Bibliographie von Barbara Niemeyer
• Biographie
• NEWW Women Writers

Einzelnachweise

cite-note-11. Christoph Marquard Ed
cite-note-jjf-22. Jan-Jasper Fast: Vom Handwerker zum Unternehmer. Die Lübecker Familie Possehl. Schmidt-Römhild, Lübeck 2000, ISBN 3-7950-0471-3.
cite-note-31. u. a. aus Edlef Köppen: Heeresbericht
cite-note-44. Stadtarchiv Lübeck und Lübecker General-Anzeiger vom 25. September 1914.
cite-note-55. Erinnerungen von Ida Boy-Ed, in: Velhagen & Klasings Monatshefte, 43. Jg., Bd. 1, S. 457 ff.